Sechs Jahre Niederlande
„Das sind Bilddenker“, sagte der Lehrer. Ganz selbstverständlich.

Sechs Jahre haben wir in den Niederlanden gelebt. Unser Kind war in einer Plusklasse, wir haben drei Schulen kennengelernt und sehr viele Gespräche geführt.
In einem davon sagte ein Lehrer ganz selbstverständlich: „Das sind Bilddenker.“ Er meinte Kinder, die in inneren Bildern und Zusammenhängen denken. Für mich war das ein Wort, das es im Deutschen so kaum gibt: beelddenken. Und es gab noch mehr davon: top-down leren, erst das Ganze, dann die Teile. Ontwikkelingsvoorsprong, Entwicklungsvorsprung bei kleinen Kindern. Und creatief hoogbegaafd: Hochbegabung, die sich weniger in Noten zeigt als in eigenen Ideen und ungewöhnlichen Lösungswegen. Ein eigener Typ ist das nicht, eher ein Blick auf eine Seite der Begabung, die Schule leicht übersieht.
Ich erinnere mich an einen Moment zu Hause: Wenn unser Kind etwas erklären sollte, schloss es zuerst die Augen. Erst danach kamen die Worte.
Nicht alles hat dort funktioniert. „So richtig war das im Alltag dann nicht“, das gehört auch zur Wahrheit. Aber der Blick war ein anderer. Er hat mir geholfen, mein Kind nicht an dem zu messen, was es nicht tat, sondern an dem, wie es dachte.
Der Blick aus den Niederlanden und Belgien: Raum 06 beim Hochbegabungskompass →
